Header_KV02
Der Chronik Fichtegickel

UNSERE
GESCHICHTE
SEIT 1902

Seit 1902 ist viel passiert.
Was geblieben ist, ist das, was uns bis heute ausmacht.

1902

Der Anfang
Januar, Oberhöchstadt

Es ist ein kalter Abend in Oberhöchstadt.

Draußen wird es früh dunkel, drinnen rücken die Menschen in der Gaststube enger zusammen. Man kennt sich, redet über das Übliche. Und irgendwann kommt das Thema wieder auf:

Der Umzug vom letzten Jahr.

Wie die Menschen an den Straßen standen. Wie plötzlich alle gelacht haben. Wie anders sich das Dorf angefühlt hat.

Mehrere Ortsvereine hatten gemeinsam einen Fastnachtsumzug organisiert. Nichts Großes vielleicht. Aber etwas, das geblieben ist.

Und irgendwann wird aus diesem Gedanken ein Entschluss:
Das darf nicht alles gewesen sein.

1902 gründen Gottfried Sachs, Jean Löhr, Peter Schreibweiß und weitere Oberhöchstädter den Karnevalverein „Wau-Wau“. Warum der Verein so heißt, weiß heute niemand mehr genau.

Manchmal ist das bei den besten Dingen so.

Von Anfang an geht es nicht nur um einzelne Veranstaltungen.
Es geht um Menschen, die zusammenkommen, lachen und für ein paar Stunden den Alltag vergessen.

Was sie an diesem Abend beginnen, werden sie selbst kaum überblickt haben.

Aber sie haben angefangen.
Und das war genug.

Einen Verein zu gründen ist eine Sache.
Ihn am Leben zu halten eine andere.

Die Jahre nach der Gründung sind keine Jahre großer Jubiläen oder besonderer Schlagzeilen. Vieles wird nicht aufgeschrieben. Und trotzdem entsteht genau in dieser Zeit das, was den Verein tragen wird.

Die Fastnacht kehrt jedes Jahr zurück in die Gaststuben und auf die Straßen von Oberhöchstadt. Die Säle werden voller, die Umzüge bekannter.

Wer beim ersten Mal nur zuschaut, macht beim nächsten Mal mit.

Zehn Pfennig kostet der Eintritt. Dafür gibt es eine Papierkappe und für ein paar Stunden das gute Gefühl, gemeinsam etwas Besonderes zu erleben. Drinnen wird gelacht, geschunkelt und gefeiert, während draußen der Winter vor den Fenstern liegt.

Niemand denkt an Vereinsgeschichte.
Man ist einfach dabei.

Und genau so wächst der Verein.

Nicht plötzlich.
Nicht laut.
Sondern Jahr für Jahr.

Dann kommt der Sommer 1914.

Und mit ihm endet eine Welt.

1903–1914

Die ersten Jahre

1914-1918

Jahre des Schweigens

1914 beginnt der Krieg.

Viele der Männer, die zuvor Umzüge organisiert, Reden gehalten oder gemeinsam in den Gaststuben gefeiert haben, ziehen fort. Zurück bleiben Familien, leere Säle und eine Stille, die vorher niemand kannte.

Der Verein ruht.
Fastnacht findet nicht statt.

In den Unterlagen dieser Jahre findet sich kaum etwas. Keine Berichte, keine Programme, kaum Namen. Nur Lücken dort, wo vorher Leben war.

Vier Jahre lang.

Und auch als der Krieg endet, ist nicht einfach alles wieder wie vorher.

Vorbei ist nicht dasselbe wie gut.

Nach dem Krieg kehrt das Leben langsam zurück.

Nicht sofort. Nicht unbeschwert.
Aber Schritt für Schritt.

Auch die Fastnacht findet wieder ihren Platz. Erst vorsichtig, fast tastend. Als müsste man erst wieder lernen, gemeinsam zu lachen.

Die Zeit bleibt schwierig. Geld verliert an Wert, die politischen Spannungen wachsen und vieles verändert sich schneller, als den Menschen lieb ist.

Und trotzdem kommen die Menschen wieder zusammen.

Die Säle füllen sich langsam, Sitzungen entstehen erneut und aus einzelnen Abenden wird wieder etwas Verlässliches. Ein Rhythmus, der bleibt.

Ab 1922 prägen Heinrich Fuchs als 1. Vorsitzender und Friedrich Ungeheuer als sein Stellvertreter den Verein über viele Jahre. Gemeinsam mit vielen anderen sorgen sie dafür, dass aus dem vorsichtigen Neubeginn wieder echtes Vereinsleben entsteht.

Nicht laut.
Nicht selbstverständlich.
Aber spürbar.

1919-1932

Neubeginn in unsicheren Zeiten

1919-1932

Neubeginn in unsicheren Zeiten

Nach dem Krieg kehrt das Leben langsam zurück.

Nicht sofort. Nicht unbeschwert.
Aber Schritt für Schritt.

Auch die Fastnacht findet wieder ihren Platz. Erst vorsichtig, fast tastend. Als müsste man erst wieder lernen, gemeinsam zu lachen.

Die Zeit bleibt schwierig. Geld verliert an Wert, die politischen Spannungen wachsen und vieles verändert sich schneller, als den Menschen lieb ist.

Und trotzdem kommen die Menschen wieder zusammen.

Die Säle füllen sich langsam, Sitzungen entstehen erneut und aus einzelnen Abenden wird wieder etwas Verlässliches. Ein Rhythmus, der bleibt.

Ab 1922 prägen Heinrich Fuchs als 1. Vorsitzender und Friedrich Ungeheuer als sein Stellvertreter den Verein über viele Jahre. Gemeinsam mit vielen anderen sorgen sie dafür, dass aus dem vorsichtigen Neubeginn wieder echtes Vereinsleben entsteht.

Nicht laut.
Nicht selbstverständlich.
Aber spürbar.

1945 ist der Krieg vorbei.
Aber zurück bleibt ein Land, das erst wieder zu sich finden muss.

Auch in Oberhöchstadt dauert es, bis langsam wieder so etwas wie Alltag entsteht. Viele trauern um Menschen, die nicht zurückgekommen sind. Andere versuchen einfach weiterzumachen.

An Fastnacht denkt zunächst kaum jemand.

Versammlungen brauchen Genehmigungen, Vereine müssen neu zugelassen werden und vieles, was früher selbstverständlich war, existiert nicht mehr.

Und trotzdem verschwindet die Idee nie ganz.

In Gaststuben und Küchen wird wieder gesprochen. Alte Mitglieder treffen sich, erinnern sich an frühere Jahre und stellen irgendwann dieselbe Frage wie schon einmal zuvor:

Kann das nicht wieder anfangen?

Noch passiert nichts laut.
Aber der Wunsch wächst.

Langsam.
Und gegen alles, was ihm im Weg steht.

1945-1951

Sieben Jahre Stille

1952

Der Neuanfang mit Geschichte

1952 kehrt der Verein zurück.

Am 14. Januar treffen sich die Mitglieder und beschließen den Neuanfang. Heinrich Weis übernimmt den Vorsitz, Emil Jäger steht ihm als Stellvertreter zur Seite. Namen werden notiert, Aufgaben verteilt und langsam entsteht wieder das, was so lange gefehlt hat.

Der neue Name lautet nun:

Karnevalverein 1902 Oberhöchstadt.

Die Jahreszahl bleibt bewusst bestehen. Nicht als Erinnerung an etwas Vergangenes, sondern als Zeichen dafür, dass die Geschichte weitergeht.

Mit der Neugründung verändert sich noch etwas anderes:
Von nun an können auch Frauen Mitglied werden und das Vereinsleben aktiv mitgestalten.

Die ersten Sitzungen und Bälle folgen. Vieles ist noch improvisiert, manches klein und vieles muss erst wieder aufgebaut werden. Aber die Menschen kommen.

Und sie bleiben.

Schon wenige Monate später zählt der Verein wieder über hundert Mitglieder.

Es ist kein großer, lauter Neuanfang.
Eher ein gemeinsames Zurückholen von etwas, das gefehlt hat.

Langsam findet der Verein wieder zu sich.

Die Säle füllen sich, die Sitzungen werden selbstverständlicher und irgendwann sitzt der Elferrat wieder auf seinem Platz, als hätte es die langen Jahre der Unterbrechung nie gegeben.

1957 kehrt der Fastnachtsumzug zurück nach Oberhöchstadt.

Zum ersten Mal seit dem Krieg ziehen wieder Wagen durch die Straßen. Menschen stehen am Rand, Musik liegt in der Luft und überall spürt man, dass hier mehr zurückkehrt als nur eine Veranstaltung.

Im selben Jahr entsteht das erste Ordensfest und unter der Leitung von Frau Quick wird die erste Tanzgarde des Vereins gegründet. Von nun an gehören nicht nur Büttenreden und Musik zur Fastnacht, sondern auch Tanz, Auftritt und monatelange Vorbereitung.

Vieles bleibt dabei improvisiert.

Manchmal steht mitten im Saal ein großer Bollerofen, damit überhaupt gefeiert werden kann. Tische gibt es oft keine, Apfelweinflaschen stehen unter den Stühlen und geschunkelt wird dicht an dicht.

1962 feiert der KV02 sein 60-jähriges Bestehen.

Zehn Jahre nach dem Neuanfang ist aus dem vorsichtigen Wiederaufbau wieder etwas Lebendiges geworden. Ein Verein, der zurück in Oberhöchstadt ist.

Und langsam entsteht dabei etwas, das bis heute geblieben ist:

Das Gefühl, gemeinsam etwas geschaffen zu haben.

1953–1966

Der Weg zurück ins Leben

1967–1971

Der Vorhang hebt sich
 

Die Fastnacht ist zurück in Oberhöchstadt.
Doch im Verein wächst langsam eine neue Idee.

Schon Mitte der 1960er Jahre entsteht der Wunsch nach einer eigenen Theatergruppe. Lange fehlt dafür der richtige Ort. Erst mit dem neuen Bürgerhaus Haus Altkönig entsteht plötzlich die Möglichkeit, größer zu denken.

1970 übernimmt Egon Bach den Vorsitz, unterstützt von Heinrich Jerger.

Und dann beginnt etwas, das den Verein dauerhaft verändern wird.

In der Gaststätte „Zum Fichtegickel“ sitzen einige Mitglieder zusammen. Ein Gespräch entwickelt sich, aus einer Idee wird langsam ein Entschluss und schließlich entsteht die Theatergruppe Die Fichtegickel.

1971 hebt sich zum ersten Mal der Vorhang.

„Der Meisterboxer“ wird gespielt. Das Publikum ist noch klein, die Nervosität hinter der Bühne vermutlich umso größer. Aber die Menschen lachen, applaudieren und kommen wieder.

Mit jedem Auftritt wächst nicht nur das Publikum.

Es wächst das Gefühl, dass aus dieser Idee etwas bleiben wird.

Der Verein wächst weiter.
Nicht nur auf der Bühne, sondern auch darüber hinaus.

1973 feiert der KV02 sein 75-jähriges Bestehen mit einem großen Fest im Haus Altkönig. Ein Abend, über den im Ort noch lange gesprochen wird – selbst der Platzregen beim Sternmarsch gehört später zu den Erinnerungen, die bleiben.

Die Theatergruppe spielt inzwischen vor immer volleren Sälen, die Garde ist fester Bestandteil der Sitzungen und langsam entstehen auch Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche.

1976 folgt die erste Kindersitzung.

Was zunächst wie ein Versuch beginnt, wird schnell zu einer festen Tradition. Kleine Kostüme, große Aufregung und der erste Applaus für viele Kinder, die später selbst lange Teil des Vereins bleiben werden.

Der KV02 wird größer, vielfältiger und tiefer im Ort verwurzelt.

Und hinter all dem stehen nicht nur die Menschen auf der Bühne.

Sondern auch jene, die organisieren, Protokolle schreiben, Stühle aufstellen und dafür sorgen, dass aus einzelnen Veranstaltungen ein echtes Vereinsleben wird.

1972–1980

Wachstum und neue Traditionen

1981–1991

Ein Jahrhundert Verein

Zu Beginn der 1980er Jahre übernimmt Hans Kaufmann den Vorsitz des Vereins und gleichzeitig das Amt des Sitzungspräsidenten.

Er prägt die Fastnacht dieser Jahre wie kaum ein anderer. Mit Gespür für den richtigen Moment, für Stimmung und für das Publikum führt er durch die Sitzungen des KV02 und gleichzeitig auch durch die Veranstaltungen der Carneval Gesellschaft Kronberg.

1982 entsteht eine Gruppe, mit der zunächst kaum jemand rechnet:
Das Männerballett „Die Dalles Dreamboys“.

Was als spontane Idee beginnt, wird schnell fester Bestandteil der Oberhöchstädter Fastnacht. Mit viel Selbstironie, Musik und jeder Menge Applaus sorgen die Dreamboys dafür, dass kaum ein Abend so endet wie ursprünglich geplant.

Auch abseits der Bühne entwickelt sich das Vereinsleben weiter.

Auftritte im Seniorenheim Hohenwald werden zur Tradition, Veranstaltungen wachsen und immer mehr Menschen übernehmen Verantwortung im Hintergrund.

1989 verändern sich viele Aufgaben im Vorstand, neue Menschen rücken nach und mit Michael Endres übernimmt 1991 ein neuer Sitzungspräsident die Bühne.

Der Verein bleibt in Bewegung.

Und trotzdem fühlt sich vieles vertraut an.

In den 1990er Jahren läuft der Verein.

Die Kampagnen gehören längst selbstverständlich zu Oberhöchstadt. Kindersitzung, Fremdensitzung, die Veranstaltungen im Haus Altkönig und der Umzug durch die Straßen des Ortes folgen einem Rhythmus, den viele schon fest im Kalender haben.

Man kennt sich, unterstützt sich und feiert gemeinsam.

Ganz ohne Veränderungen bleibt diese Zeit trotzdem nicht. Aufgaben werden neu verteilt, neue Menschen übernehmen Verantwortung und mit Michael Falland als Vorsitzendem und Orlando Kieser als Sitzungspräsident beginnt eine neue prägende Phase des Vereins.

Dann kommt das Jahr 2000.

Der KV02 bekommt ein eigenes Zuhause.

Das ehemalige Jugendzentrum am Sportfeld wird in unzähligen Stunden Eigenleistung umgebaut. Wände verschwinden, Räume verändern sich und Schritt für Schritt entsteht etwas, das weit mehr ist als nur ein Vereinsheim.

Es wird ein Ort für Proben, Sitzungen, Gespräche und lange Abende nach Veranstaltungen.

Ein Zuhause.

2002 feiert der Verein schließlich sein 100-jähriges Bestehen.

400 Mitglieder zählt der KV02 in diesem Jahr. Das Jubiläum wird groß gefeiert und zeigt, wie tief der Verein inzwischen in Oberhöchstadt verwurzelt ist.

Im selben Jahr wird der KV02 offiziell als gemeinnütziger Verein anerkannt.

Eine Formalität auf dem Papier vielleicht.

Und gleichzeitig die Bestätigung von etwas, das die Menschen im Ort längst wissen:

Dieser Verein ist mehr als Fastnacht.

1992–2002

Ein Jahrhundert

2003-2020

Prägende Persönlichkeiten

Nach dem großen Jubiläum wird es ruhiger.

Keine großen Festzelte mehr, keine außergewöhnlichen Jubiläen. Stattdessen beginnt wieder der Alltag des Vereins. Proben unter der Woche, Vorbereitungen hinter den Kulissen und Menschen, die einfach da sind, lange bevor sich der Saal füllt.

Der KV02 läuft weiter.
Verlässlich, lebendig und getragen von vielen Händen.

Die Theatergruppe Die Fichtegickel spielt vor vollem Haus, die Die Dalles Dreamboys gehören längst fest zur Fastnacht und auch die Garden prägen das Bild der Kampagnen über viele Jahre hinweg.

Auf der Bühne wird vor allem Orlando Kieser zum Gesicht dieser Zeit. Über mehr als zwei Jahrzehnte führt er als Sitzungspräsident durch die Veranstaltungen und gibt den Abenden ihren eigenen Rhythmus.

Doch ein Verein entsteht nicht nur dort, wo das Licht hinscheint.

Sondern auch bei Proben, Aufbauabenden und den vielen kleinen Aufgaben, die kaum jemand sieht. Menschen übernehmen Verantwortung, organisieren im Hintergrund und halten den Verein zusammen, oft ohne große Aufmerksamkeit dafür zu bekommen.

2005 übernimmt Miriam Makosch das Amt der Schriftführerin, über viele Jahre begleitet Gerlinde Pfitzner den Verein als Kassiererin und 2013 übernimmt Ulrich Heinecke den Vorsitz.

2017 beginnt mit Jörg Kouth als 1. Vorsitzendem, John Reiter als 2. Vorsitzendem und Torsten Heynen als Kassierer ein neues Kapitel.

Nicht alles ist in diesen Jahren einfach. Manche Entscheidungen führen zu Diskussionen, manches verändert sich und nicht jede Entwicklung wird von allen gleich gesehen.

Und trotzdem bleibt etwas konstant:

Wenn der Saal voll ist, die Musik beginnt und Menschen gemeinsam lachen, spürt man, warum dieser Verein all die Jahre getragen wurde.

2020 endet schließlich eine Ära.

Nach über 20 Jahren gibt Orlando Kieser das Amt des Sitzungspräsidenten ab und wird zum Ehrenpräsidenten des Vereins ernannt.

Der Applaus an diesem Abend gilt nicht nur einem Moment.

Sondern vielen Jahren davor.

Manche Einschnitte kündigen sich an.
Dieser nicht.

2020 kommt die Pandemie und plötzlich steht alles still. Keine Sitzungen, keine Umzüge, keine gemeinsamen Abende. Die Säle bleiben leer und zum ersten Mal seit vielen Jahren fehlt etwas, das vorher selbstverständlich war.

Und trotzdem geht der Verein nicht verloren.

Vorstandssitzungen finden plötzlich am Bildschirm statt, Trainings werden improvisiert und langsam entstehen Konzepte dafür, irgendwann wieder zusammenkommen zu können.

Ein Satz aus dieser Zeit bleibt vielen im Kopf:

„Maskenball ist überall.“

2022 kehrt langsam Bewegung zurück. Mit Andreas Risse als Sitzungspräsident beginnt der Weg zurück auf die Bühne.

Erst vorsichtig.
Dann mit immer mehr Sicherheit.

Und irgendwann ist er wieder da:
Licht an. Musik. Menschen im Saal.

Nicht alles ist wie früher. Vieles braucht mehr Planung, mehr Einsatz und manchmal auch einen zweiten Anlauf. Aus rund 400 Mitgliedern zum 100-jährigen Jubiläum sind über die Jahre knapp 250 geworden.

Ein Verein wie der KV02 ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr.

Vielleicht war er das auch nie.

Und trotzdem stehen wieder Menschen auf der Bühne, proben im Vereinsheim, bauen Säle auf und machen weiter.

Genau das ist es, was diesen Verein seit 1902 trägt.

2020-heute

Einschnitte und Neubeginn

1902

Die Gründung
Januar, Oberhöchstadt

Es ist ein kalter Abend in Oberhöchstadt. Draußen früh dunkel, drinnen wird zusammengerückt. In der Gaststube ist es warm, es riecht nach Holz und nach einem langen Tag. Ein paar Männer sitzen beisammen, man kennt sich, redet erst über dies und das.

Und dann kommt dieses Thema wieder auf. Der Umzug im letzten Jahr. Wie die Leute an den Straßen standen. Wie plötzlich alle gelacht haben. Wie anders sich das Dorf angefühlt hat.

Niemand sagt sofort, dass man einen Verein gründen sollte. Es ist eher dieses langsame Herantasten. Ein Satz hier, ein Gedanke da. „Das könnte man doch nochmal machen.“ „Nicht nur einmal.“ Irgendwann ist klar: Die meinen das ernst.

Kein Plan auf Papier, keine große Ankündigung. Aber eine Entscheidung. Ein eigener Karnevalverein. Hier in Oberhöchstadt. Der Name fällt fast nebenbei: „Wau-Wau“. Warum genau, weiß später keiner mehr.

An diesem Abend ahnt niemand, wie lange dieser Entschluss tragen wird. Aber sie gehen nach Hause mit einem Gefühl, das bleibt:

Hier beginnt etwas.

1903–1914

Die ersten Umzüge

Ein Jahr nach der Gründung wird es ernst. 1903 kommen die Mitglieder zur ersten Versammlung zusammen. 18 Männer gehören zum „Wau-Wau“ und an diesem Abend sind alle da. Keiner fehlt.

Schnell wird klar, dass es nicht bei einer guten Idee bleiben soll. Es wird geplant und organisiert. Peter Schreibweiß gehört zu denen, die immer mit anpacken. Jean Löhr hält die Dinge zusammen, wenn es darauf ankommt.

Die ersten Wagen entstehen dort, wo Platz ist. In Höfen, in Scheunen, oft aus dem, was gerade da ist. Vieles wirkt improvisiert und genau das macht den Reiz aus.

Wenn der Umzug durch den Ort zieht, ist das ganze Dorf dabei. Die Menschen stehen an den Straßen, Kinder ganz vorne. Man kennt sich, man lacht miteinander und manchmal auch übereinander.

1911 bleibt vielen im Gedächtnis. Als das elektrische Licht in Oberhöchstadt Einzug hält, fährt ein Wagen mit einem Spruch durch die Straßen:

„Das elektrisch’ Licht bekommt Ihr nicht,
weil Petroleum noch zu billig ist.“

Über die Jahre wird der Umzug größer. Nicht geplant, sondern gewachsen. Weil immer mehr mitmachen wollen.

Dann kommt der Bruch. Der Krieg beginnt und von einem Jahr auf das andere verstummt die Fastnacht.

Die Wagen bleiben stehen. Die Kostüme verschwinden. Und das, was eben noch das Dorf zusammengebracht hat, ist plötzlich nicht mehr da.

1920–1935

Zurück ins Leben

Nach dem Krieg ist es still.

Keine Umzüge, keine Sitzungen, keine Bälle. Der Verein existiert auf dem Papier, aber kaum mehr. Es dauert, bis sich wieder etwas bewegt. Erst ein Gespräch, dann ein Treffen. Die Erinnerung an das, was einmal war, ist noch da.

Heinrich Fuchs ist einer von denen, die nicht loslassen. Mit Friedrich Ungeheuer bringt er den Verein wieder auf die Beine. Schritt für Schritt. Nichts ist selbstverständlich in diesen Jahren, Geld ist knapp, die Zeiten unsicher. Aber die Sitzungen kommen zurück, die Bälle auch.

Man lacht wieder. Nicht wie früher vielleicht, aber genug.

Mit den Jahren wird es stabiler. Der Wau-Wau findet seinen Rhythmus wieder. Doch Anfang der 1930er verändert sich etwas. Die Fastnacht wird leiser, vorsichtiger. Wer auf der Bühne steht, überlegt zweimal, was er sagt.

Man merkt: Es geht wieder nicht nur ums Feiern.

1936–1945

Eine stille Zeit

Die Fastnacht ist noch da. Aber sie fühlt sich anders an.

Was früher leicht war, wird schwerer. Was früher laut war, wird leiser. Der Verein passt sich an, wie so vieles in diesen Jahren. Der Vorstand bleibt, aber er nennt sich jetzt „Führerstab“. Die Bühne steht noch, aber wer darauf steht, wählt die Worte mit Bedacht.

1939 zieht noch einmal ein Umzug durch Oberhöchstadt. Vielleicht ahnt jemand, dass es der letzte sein wird. Vielleicht nicht.

Dann kommt der Krieg.

1941 trifft man sich ein letztes Mal zur Generalversammlung. Danach wird es still. Keine Sitzungen, keine Bälle, keine Bühne. Elf Jahre lang.

Was bleibt, ist die Erinnerung. Und ein paar Menschen, die nicht vergessen haben, warum man sich einmal getroffen hat.

1952

Die Wiedergeburt im Nassauer Hof

Nach elf Jahren Stille kommt Bewegung zurück.

Menschen treffen sich wieder, nicht zufällig, sondern mit einem klaren Gedanken: Den Verein zurückholen. Am 14. Januar 1952 ist es soweit. Der Verein wird neu gegründet. Und er bekommt einen Namen, der bis heute bleibt:

Karnevalverein 1902 Oberhöchstadt

Heinrich Weis übernimmt den Vorsitz, Emil Jäger steht ihm zur Seite. Um sie herum: Otto Neidhardt, der Protokoll führt, Wilhelm Hönig, der die Finanzen in die Hand nimmt, und ein Elferrat, der sich neu zusammenfindet.

Und noch etwas verändert sich in diesem Jahr. Von nun an können auch Frauen Mitglied werden und das Vereinsleben aktiv mitgestalten. Eine stille, aber wichtige Entscheidung.

Es ist kein großer, lauter Neuanfang. Eher ein gemeinsames Zurückholen von etwas, das gefehlt hat. Die ersten Sitzungen entstehen, die ersten Bälle folgen. Vieles ist noch im Aufbau, manches improvisiert.

Und doch funktioniert es.

1957–1966

Kappen, Garde und Orden

Nur wenige Jahre nach der Wiedergründung ist spürbar: Der Verein ist wieder angekommen.

1957 kehrt der Umzug zurück. Zum ersten Mal seit dem Krieg ziehen wieder Wagen durch die Straßen von Oberhöchstadt. Man steht am Straßenrand, schaut zu, und vielleicht denkt der ein oder andere: So soll es sein.

Im selben Jahr entsteht das erste Ordensfest, eine Tradition, die bis heute bleibt. Und noch etwas verändert das Bild der Fastnacht. Unter der Leitung von Frau Quick wird eine eigene Tanzgarde gegründet. Von nun an gehören nicht nur Büttenreden und Musik dazu, sondern auch Tanz, Auftritt und die Freude daran, gemeinsam etwas einzustudieren.

Der Verein wächst. Die Sitzungen werden voller, die Programme vielfältiger. Auf und hinter der Bühne übernehmen immer mehr Menschen Verantwortung.

1962 wird das 60-jährige Bestehen gefeiert. Mit einer Ehrensitzung und einem großen Umzug zeigt sich, wie viel in so kurzer Zeit wieder aufgebaut wurde.

Die Fastnacht ist zurück in Oberhöchstadt.
Und lebendiger als je zuvor.

1970

Mehr als Fastnacht
 

Mit den 70er Jahren verändert sich der Verein spürbar.

1970 übernimmt Egon Bach den Vorsitz, unterstützt von Heinrich Jerger. Es sind Jahre, in denen nicht nur weitergemacht wird, sondern in denen neue Ideen entstehen. Eine davon bleibt bis heute.

1971 hebt sich im Haus Altkönig zum ersten Mal der Vorhang. Die Theatergruppe „Die Fichtegickel“ spielt „Der Meisterboxer“. Anfangs kommen nur wenige Zuschauer. Doch mit jeder Aufführung werden es mehr. Das Publikum lacht, fiebert mit und erkennt sich in den Szenen wieder. Genau das macht den Unterschied.

Die Fichtegickel wachsen. Sie spielen nicht nur in Oberhöchstadt, sondern treten bald auch in anderen Orten auf. Sie tragen den Humor des Vereins nach draußen und bringen gleichzeitig neue Energie zurück.

Auch abseits der Bühne wächst der Verein in diesen Jahren. Auftritte im Seniorenheim werden zur Tradition. Erste Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche entstehen. Der Verein denkt nicht nur an seine Mitglieder, sondern auch an den Ort.

Der Verein entwickelt sich weiter.
Und gewinnt in diesen Jahren ein neues Gesicht.

1981–1991

Volle Säle und neue Ideen

Anfang der 80er Jahre übernimmt Hans Kaufmann den Vorsitz. Und er bleibt nicht im Hintergrund. Als Sitzungspräsident steht er gleichzeitig selbst auf der Bühne. Zwei Rollen, ein Ziel: den Verein weiter nach vorne bringen.

Und das merkt man.

Die Säle sind gut gefüllt, die Veranstaltungen entwickeln sich weiter. Es wird ausprobiert, ergänzt, manchmal auch einfach gemacht, weil es sich richtig anfühlt. Genau aus diesem Geist heraus entsteht 1982 eine Idee, mit der so nicht jeder gerechnet hat.

Ein Männerballett. Die Dalles Dreamboys sind geboren.

Männer, die bisher eher hinter den Kulissen aktiv waren, stehen plötzlich selbst auf der Bühne. Mit Kostüm, mit Musik und mit einer gehörigen Portion Selbstironie. Was als ungewöhnliche Idee beginnt, wird schnell zu einem festen Bestandteil der Fastnacht. Das Publikum feiert es. Laut.

Die Jahre ziehen weiter, der Verein wächst mit ihnen. 1990 kommt der Moment, in dem man inne hält und zurückschaut: 8 mal 11 Jahre KV02. Das Jubiläum wird groß gefeiert, mit Festzelt, großem Programm und einem Wochenende, das zeigt, wie lebendig dieser Verein geworden ist.

Ein Jahr später übernimmt Heinz Hölzle den Vorsitz. Michael Endres führt als neuer Sitzungspräsident durch die Veranstaltungen. Ein neues Kapitel beginnt, aber der Schwung bleibt.

1992-2002

Ein Jahrhundert Verein

In den 90er Jahren bleibt der Verein in Bewegung. Neue Gesichter kommen dazu, andere geben Verantwortung weiter. Aufgaben wechseln, Ideen auch. Das Ziel bleibt das gleiche.

1998 übernimmt Michael Falland den Vorsitz. Auch auf der Bühne entwickelt sich vieles weiter. Programme verändern sich, die Sitzungsleitung wechselt. Aber die Fastnacht bleibt, wo sie hingehört: fest im Ort verankert.

Dann kommt das Jahr 2002.

100 Jahre KV02. Ein ganzes Jahrhundert voller Geschichten, Erinnerungen und gemeinsamer Erlebnisse. Gefeiert wird nicht nur das Jubiläum selbst, sondern das, was über die Jahre gewachsen ist. Ein Verein, getragen von den Menschen, die ihn ausmachen.

Im gleichen Jahr wird der KV02 als gemeinnützig anerkannt. Ein Schritt, der nach außen sichtbar macht, was intern schon lange gilt: Hier geht es um mehr als Veranstaltungen. Es geht um den Zusammenhalt im Ort.

2003-2020

Vertraut und lebendig

Nach dem Jubiläum beginnt eine ruhigere Phase. Keine großen Umbrüche, sondern Jahre, in denen vieles einfach funktioniert.

Die Fastnacht hat ihren festen Platz. Die Kampagne kommt jedes Jahr, die Säle füllen sich, die Umzüge gehören zum Ortsbild. Für viele ist das längst selbstverständlich geworden. Und genau das ist die Leistung dieser Jahre: dass es selbstverständlich ist.

Auf der Bühne verkörpert ein Gesicht diese Kontinuität wie kein anderes. Über mehr als zwei Jahrzehnte führt Orlando Kieser als Sitzungspräsident durch die Programme. Seine Stimme, sein Rhythmus, seine Art. Für viele ist er die Fastnacht in Oberhöchstadt.

Im Vorstand wechselt die Verantwortung ruhiger, aber stetig. 2007 übernimmt Ulrich Heinecke den Vorsitz und führt den KV02 ein ganzes Jahrzehnt lang. 2017 beginnt mit Jörg Kouth ein neues Kapitel.

2020 endet eine Ära.

Nach über 20 Jahren gibt Orlando Kieser das Amt des Sitzungspräsidenten ab. Der Verein ernennt ihn zum Ehrenpräsidenten. Eine Geste des Dankes für alles, was er der Fastnacht gegeben hat.

2020-heute

Stillstand und neuer Anfang

Plötzlich wird es still.

Die Corona-Pandemie unterbricht das Vereinsleben. Keine Sitzungen, keine Umzüge, keine gemeinsamen Momente. Was vorher selbstverständlich war, fehlt auf einmal.

Eine Kampagne vergeht ohne Fastnacht. Dann noch eine. Auch das Theater bleibt lange dunkel. In dieser Zeit übernimmt Andreas Risse das Amt des Sitzungspräsidenten. Ein Neuanfang, der erst einmal warten muss.

Erst im Herbst 2022 öffnet sich der Vorhang wieder.

Und dann, 2023, ist er da. Der Moment, auf den alle gewartet haben. Die Fastnachtssitzung kehrt zurück. Die Halle ist wieder offen. Menschen kommen zusammen, helfen, bauen auf, stehen wieder auf der Bühne. Und diesmal ist nichts vorsichtig. Es ist laut. Es ist voll. Es fühlt sich an, als hätte jemand den Schalter wieder umgelegt.

Das ist es, was einen Verein ausmacht. Nicht die großen Jubiläen, nicht die einzelnen Auftritte. Sondern das, was entsteht, wenn viele zusammen anpacken. Der Stolz nach einem gelungenen Abend. Der Applaus, der durch den Saal geht. Die Menschen, die einfach da sind.

Manches braucht Zeit. Manches wird anders bleiben. Aber eines hat sich in all diesen Jahren nicht verändert. Wenn es darauf ankommt, sind wir da.

Die vollständige Chronik des KV02

Diese Website erzählt viele Geschichten.
Aber längst nicht alle.

Denn 125 Jahre Vereinsleben passen nicht vollständig auf eine einzelne Seite. Nicht all die Menschen, die dazugehört haben. Nicht die langen Abende, die kleinen Momente hinter der Bühne oder die Erinnerungen, die bis heute geblieben sind.

Die vollständige Chronik nimmt dich mit durch all diese Jahre.
Ausführlicher, persönlicher und mit vielen Geschichten, die hier nur angedeutet werden konnten.

Vielleicht fängst du nur an zu lesen.
Und merkst irgendwann, dass du eigentlich längst mittendrin bist.

 

Tusch! Deine Nachricht ist angekommen!

Deine Mail hat sich erfolgreich in die Polonäse eingereiht

Vielen Dank!

Vorhang auf für deine Bestellung! Sie ist soeben auf unserer Bühne angekommen und wir kümmern uns jetzt um den Auftritt. Sobald alles geprüft ist, bekommst du von uns deine Bestätigung zugesendet.